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DDR-Historie: Geschichten

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Alt 09.02.2006, 12:06
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Standard AW: DDR Historie Geschichten!!!!

80ziger Jahre das waren Jahre mit allen möglichen Situationen und auch zum Teil einzigartigen kurzfristigen Bündnissen.

Wie schon Beschrieben waren was die Masse betrifft Union und Chemie Leipzig Tonangebend.

Aber Masse ist nicht gleich Klasse - da gab es dann ganz andere Fraktionen die wirklich einen Hauermässig 1a Mob hatten. Lok Leipzig - Kalle Malle (Chemnitz) - die Rostocker hatten ein paar sehr gute Hauer auf ihrer Seite - und ohne jetzt hier überheblich werden zu wollen - wenn die Magdeburger anrückten dann sah man oft Leute stiften gehn die in Überzahl waren.

Klar gab es auch öfters Backenfutter (in Berlin mal zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen) und von den Befis kassiert.

Ich kann mich noch sehr gut an eine Fahrt nach Chemnitz entsinnen muß so um die Zeit 87/88 gewesen sein. Erst die halbe Nacht in Leipzig verbracht - dann am frühen Morgen kam ein Zug mit Dresdener an und bevor die Bullen überhaupt wußten was los war knallte es auch ganz gut. Dann sollte es weiter gehen nach Kalle Malle, aber in Geithain oder wie das Nest auch immer hieß blieb der Zug auf einmal stehen - tja Ende vom Lied war, der Bahnhof von Geithain glich einem Kriegsschauplatz und wo wir dann in Kalle Malle ankamen ein Begrüßungskomitee in Grün vom allerfeinsten - ein paar schafften es sich abzusetzen tja und für andere war die Reise auf dem Bahnhof zu Ende. Die die es schafften sich abzusetzen hatten auch einen spaßigen Tag denn es gab immer wieder kleine Scharmützel mit Chemnitzern. Ich glaub 2:0 verloren aber doch Spaß gehabt.

Es kam auch vor das man mit irgendwelchen Leuten von anderen Vereinen Scharmützel hatte ohne das man an diesem Tag gegeneinander spielte - in Berlin angekommen um gegen die Befis zu spielen und am Bahnhof mit den Unionern Spaß gehabt oder auch Leipzig wo man sehr oft hinmußte um auswärts zu fahren da gab es dann Auer, Erfurter, Jenaer usw. die man da traf, tja und Gelegenheit macht Liebe

Wie VfB-Siggi schon anmerkte - gab es Pressemäßig nichts darüber was am Wochenende so los war - alles was man darüber erfuhr gab es unter vorgehaltener Hand. Klar gab es immer wieder Gerüchte das es irgendwo Tote gegeben haben soll aber bis auf den Fall in Leipzig gab es nie eine offizielle Bestätigung. Was sicherlich zu diesen Gerüchten führte war auch die Tatsache das nicht gerade zimperlich miteinander verfahren wurde, da wurde schon mal geprügelt bis einer keinen pieps mehr sagte und da ist es dann schnell rumgegangen das einer über die Klinge gegangen sein soll. Schwerverletzte gab es öfters, auf Fanseite aber auch bei der grünen Fraktion.

Vielleicht kann sich ja noch jemand an das Spiel DDR - Türkei in Magdeburg entsinnen - da wo jetzt die Bördelandhalle steht - gab es heftige Hauerein - Magdeburger zusammen mit Leipzigern die auch sehr gut vertreten waren und diversen anderen Vertretungen gegen die Cabriofahrende Goldkettenfraktion - der größte Teil von denen war wohl aus dem damaligen Westberlin.

Ab Anfang 90 die große Zeit der Berliner (BFC), die bis dato nicht gerade große Schlagzeilen von sich machten - und die hatten echt einen Hammermob am Start - im alten Ehrwürdigen Grube gab es dann einen heftigen Auftritt von den Jungs - irgendwo gibt es auch noch Bilder davon.

Und nach dem Abstieg von MD in die Amateur-Oberliga 91 war dann auch in MD erstmal nicht mehr viel zu holen. Zuschauer um die 500-600 das wars dann auch erstmal - kaum noch Leute die Auswärts gefahren sind und eben auch keine Gästefans mehr. Das ging dann auch erst wieder so um 96 oder 97 langsam aufwärts - es kamen viele wieder die in eine andere Region gezogen sind und sich dann wieder auf ihre alte Heimat besonnen und wenn man jetzt so sieht was bei den unterklassig spielenden Vereinen am Start ist ob nun BFC - Leipzig - Chemnitz oder auch MD, so kann man doch sagen Totgesagte Leben länger.

BWG
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  #22 (permalink)  
Alt 09.02.2006, 17:39
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vomfeinsten is on a distinguished road
Standard AW: DDR-Historie: Geschichten

Ich weiß nicht ob das jetzt hier rein gehört, aber ich versuchs einfach mal.

Mich würde mal interessieren wie es in den 70ern/80ern aussah wenn Mannschaften aus dem Osten und dem Westen aufeinander getroffen sind.. Gabs das überhaupt? Wenn ja gabs die möglichkeit die Grenze zu passieren? Ich hab wirklich gar keine Ahnung, mich würds einfach nur mal interessieren, wie die Verhältnisse so waren zu der Zeit.. oder kann man das gar nicht wirklich? Kann mir schlecht vorstellen, das man n ordentlichen Mob zusammen stellen konnte, wie es in der Liga sonst der fall war.

Wenn der Thread nur für Ost Sachen galt, dann schonmal im vorraus sorry.

Ich hoffe jetzt mal, keine Ost-West Diskussion damit zu starten und das es im Schwanzvergleich endet :/
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  #23 (permalink)  
Alt 09.02.2006, 20:47
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VfB-Siggi is on a distinguished road
Standard AW: DDR-Historie: Geschichten

Also beim Fußball galt natürlich auch, was im real existierenden Sozialismus Alltag war, nämlich keine Reisen ins westliche Ausland (mal von wenigen Ausnahmen abgesehen).

Kann zwar nur für uns sprechen, aber es würde mich doch sehr überraschen, wenn es damals nicht überall so war. Wir haben mit Jena einmal im UEFA-Cup gegen den MSV gespielt. Zum Rückspiel nach Duisburg durfte ohnehin keiner. In der Regel bekamen die Gastvereine ein extrem kleines Kartenkontingent bei EC-Spielen. Aus Duisburg waren max. 500 Leute da. Deren Kurve war zwar voll, allerdings war da wohl jeder zweite ein Stasi-Aufpasser, die jeglichen Kontakt zu den Einheimischen unterbinden sollten.

Einen Bundesligisten zugelost zu bekommen, war ein echter Glücksfall, denn jeder war nass auf nur irgendwas aussem Westen. Nicht wenige hätten sprichwörtlich getötet, um an ein Fantrikot von drüben zu kommen. Allerdings war es bei keinem einzigen auch nur eine Sekunde lang ein Thema, den Gästen aus Westdeutschland mal zu zeigen, wo der Krawallhammer hängt. Da wurde einfach nur alles mögliche versucht, irgendwie Kontakt zu kriegen, vielleicht Adressen austauschen, Schals etc., aber null Krawallmotivation gegen die Gäste. Die Duisburger Fans wurden eher ob ihrer satten Fantracht mit klassischer Kutte bestaunt wie außerirdische Wesen.

Kann mich noch gut erinnern, dass beim Training der Duisburger am Vorabend mehr Leute im Stadion waren als normalerweise bei einem Oberligakick. Um für solche Spiele überhaupt Karten zu kriegen, mußte man entweder mitten in der Nacht aufstehen oder aber gute Kontakte haben. Als die Mannschaft nach dem Training im Bus das Stadion verließ, haben sie noch händeweise Mannschafts- und Spielerbildchen in die wartende Menge geworfen. Um das Zeugs, das seinerzeit drüben wohl in jeder halbwegs vernünftigen Schokoladentafel zu finden war, hat sich der Mob geprügelt, das glaubt kein Schwein.

Wie ich aus Erzählungen weiß, ging es wohl ähnlich zu, als der VfB Stuttgart im Europacup in Frankfurt/Oder - okay, die hatten eigentlich nur einen "Mob" wie etwa Unterhaching aufzuweisen - und im Halbfinale in Dresden zu. Die angereisten Stuttgarter erfreuten sich auch da einer intensiven Betreuung ihrer "Reiseleiter" von der Staatssicherheit. Abschotten und jeglichen Kontakt mit dem Klassenfeind vermeiden war das oberste Gebot.

Irgendwann hatten wir noch mal einen Freundschaftskick gegen K´lautern, als der alte Topmöller noch für die Pfälzer bolzte. Zu dem eigentlich bedeutungslosen Kick hätte man locker 100.000 Karten an den Mann bringen können, irre. Auch hier das gleiche Verhalten der Fans wie vorher beschrieben.

1980 hatten wir mit Jena noch ein extrem glorreiches Spiel, wo der hochfavorisierte AS Rom nach einer 0:3-Niederlage im Hinspiel mit 4:0 verprügelt wurde. Wir lungerten gerade an der Straße rum, als ein Mercedes neben uns hielt und nach dem Weg zum Interhotel fragte. Kurzerhand luden uns die drei Insassen, gebürtige Römer aus Braunschweig, ein, mitzukommen. Nach großem Tamtam mit dem Restaurantleiter und einen 20-DM-Schein später ließ man auch uns mit den zerfledderten Klamotten an den gepflegten Tischen Platz nehmen. Man verabredete sich mit den Italienern wieder am gleichen Ort für nach dem Spiel, sah sie aber nie wieder.

Am nächsten Tag wurden wir sehr zeitig ins Direktorat beordert, um dort zwei gut gekleideten Herren einer staatlichen Institution ihre merkwürdigen Fragen zu beantworten. Wie man wieder einmal sehen konnte, blieb damals so gut wie nichts unbeobachtet...

Unmittelbar nach dem Mauerfall gab es noch eine Begebenheit, die ich mir so niemals hätte vorstellen können und die mich auch heute noch sehr berührt. Plötzlich hatte jeder die Möglichkeit, sich einen Lebenstraum zu erfüllen und seinen Lieblingsverein in Westdeutschland live zu sehen. Das muß man sich mal vorstellen, da fahren Fans aller, wirklich aller Vereine, die noch Wochen zuvor übelst aufeinander eingeprügelt hatten, gemeinsam in hoffnungslos überfüllten Zügen zum Rückrundenauftakt gen Westen, um ihren Verein zu sehen. Null Provokation, nicht eine einzige Klopperei von Leuten verfeindeter Gruppen, alle waren einfach nur glücklich und berauscht über die politische Entwicklung und das man endlich mal aus diesem Käfig rauskam.

In Stuttgart angekommen holte man sich freilich erst mal seinen Hunni Begrüßungsgeld und schaute sich staunend die Stadt an. Im Stadion hatte man einen eigenen Block, wo jeder Zoni gegen Vorlage seines Ausweises für Umme reinkam. Wir waren ca. mit 150 Leuten am Start. Nicht einer hatte da irgendwie Bock auf ein Kräftemessen mit den Kollegen von drüben, man genoß einfach die unbeschreibliche Atmosphäre und versuchte die Gesänge der Kameraden mitzugröhlen. Auch auf der Rückfahrt wieder die selbe familiäre Stimmung unter den Reisenden, null Bock auf Krawalle, jeder war glücklich und zufrieden und man tauschte begeistert seine Erfahrungen aus. Es gibt wohl Dinge auf der Welt, die werden sich niemals wiederholen.

Eine verdammt bittere Pille mußte man in dem Zusammenhang dennoch schlucken, nämlich als wir 1981 das Europacup-Finale in Düsseldorf erreichten und kein Schwein von uns dorthin fahren durfte. Das Ostblock-Endspiel zwischen Jena und Tiflis wollte nun absolut keine Sau sehen, so dass sich jämmerliche 9.000 Gestalten im weiten Rund des Rheinstadions verloren, 7.000 davon waren Schüler mit Freikarten. Aus Jena ließ man knapp 1.000 handverlesene, politisch zuverlässige Kader die Mannschaft begleiten, obwohl noch nie zuvor eine von den Flachzangen ein Stadion von innen gesehen hat. Selbst von den Leuten haben damals einige Dutzend die Gelegenheit genutzt und dort die Biege gemacht.

Naja, und zu allem Überfluß verlor man das Finale dann auch noch nach Führung gegen die Russen. War echt übel, denn sowas erlebt man mit seinem Verein vielleicht nur ein einziges mal im Leben, und dann darfste noch nicht mal dabei sein, eine der bittersten Stunden für mich überhaupt...
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  #24 (permalink)  
Alt 09.02.2006, 21:03
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connewitzchaot is on a distinguished road
Standard AW: DDR-Historie: Geschichten

ich war bei einer Begegnung Lok gegen Bielefeld im Bruno. Meine Mutter hatte mir die VIP-Karten von ihrem Generaldirektor (MLK) gegeben, ich saß auch prompt dort, wo nur Parteiniks gesessen haben und das mit Chemiekuttenweste. Aufgrund eines Herrn Lienen schien mir Bielefeld ein sympathischer Verein zu sein, was sich auch immer bestätigte, egal ob ich Bielefeld gg. St. Pauli fanmäßig!!! unterstützte oder in der 2. Liga mit Bielefeld in Chemnitz oder beim VfB Leipzig war.
Jedenfalls habe ich beim Spiel in den Achtzigern Bielefeld unterstützt wie ich auch im Bremenblock stand beim Europapokalspiel im Bruno, könnte aber auch ein typisches Mitte-Achtziger-Freundschaftsspiel gewesen sein.

Leider durfte ich mit Chemie mein erstes Pflichtspiel im Westen, sieht man von der Amateurmeisterschaft bzw. Spielen im Westteil Berlins ab, im Jahre 2000 in Essen miterleben. Und das hatte es in sich, über 1200 Chemiker haben mal kurz gezeigt, dass man nicht zu Unrecht eine große Kuttennummer war. Für viele war doch schon 1986 die Hool-Karriere zu Ende.
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  #25 (permalink)  
Alt 09.02.2006, 21:09
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vomfeinsten is on a distinguished road
Standard AW: DDR-Historie: Geschichten

Krass, hab mich noch nie so mit dem Thema beschäftigt, aber scheint ja echt ziemlich übel gewesen zu sein. Danke für den Bericht..

Kann man das von allen Szenen behaupten? Also das es überhaupt keine bzw. kaum möglichkeiten gab rüber zu kommen wenn n Spiel angesagt war? Im Endeffekt kann man also gar nicht sagen, wie man im Vergleich dagestanden hätte. Eigentlich ists ja auch egal, es interessiert mich nur irgendwie.. Wie so die gegensätze gewesen wären von z.B. Chemie, BFC, Magdeburg, Dortmund, Schalke, Köln, Düsseldorf etc etc etc... Aber will damit mal lieber nicht nerven.

Danke nochmal für den Bericht, war echt schön zu lesen!
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  #26 (permalink)  
Alt 09.02.2006, 21:36
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VfB-Siggi is on a distinguished road
Standard AW: DDR-Historie: Geschichten

Ja, natürlich kann man das von allen Szenen behaupten, zumindest was das Ausreiseverbot betraf. Will Dir jetzt nicht zu nahe treten, aber das ist doch noch relativ junge Geschichte, wie´s politisch so im Ostteil Deutschlands zuging. Da machte es keinen Unterschied, ob nun Jena gegen Duisburg antrat, Lok gegen Marseille, BFC gegen Bremen oder Dresden gegen Stuttgart.

Mit viel Glück, einer Oma im Westen und einer im Osten verbleibenden eigenen Familie durfte der eine oder andere evtl. mal auf ein verlängertes Wochenende im Westen hoffen. War aber die absolute ausnahme und bei Fußballspielen absolut kein Thema. Sehr begeht zu dieser Zeit waren natürlich auch Spiele von Bundesligisten im befreundeten Ausland, also z.B. Budapest - VfB, Warschau - Schalke, Prag - Bayern etc. Dahin konnte man ja noch relativ problemlos reisen, "seinen" Verein live sehen und auch Kontakte knüpfen.

Ob nun alle Vereine, die damals das Glück hatten, gegen Bundesligisten gelost zu werden, ebenso wie wir, nicht daran interessiert war, die Gästefans zu bügeln, kann ich nicht sagen, würde mich aber sehr überraschen, wenn dies der Fall sein sollte. Das Verhalten der Leute entsprach wohl generell dem, wie ich es im vorigen Beitrag beschrieben haben. Das galt übrigens für nahezu alle Vereine aus dem westlichen Ausland. Ich hatte ja seinerzeit das Glück, mit meinem Verein im Europacup solche Größen wie Benfica, Real, Ajax, Rom, Valencia, Rotterdam (Sparta) etc. live sehen zu können. Auch da ging es immer friedlich, freundschaftlich zu und man war erpicht darauf, Souveniers zu tauschen, nicht sie sich gewaltsam zu holen, aber die Stasi hat ja praktisch jeden Kontakt unterbunden.

Mögliche Vergleiche zwischen den damaligen Ost- und Westgrößen wären sicher nicht uninteressant gewesen, bleiben aber Spekulation, und von uns hat sich ehrlich gesagt auch nie einer ernsthaft mit solchen Gedanken beschäftigt. Wenn einer da andere Erfahrungen mit seinen Leuten gemacht hat, dann her damit.

Geändert von VfB-Siggi (09.02.2006 um 21:45 Uhr)
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  #27 (permalink)  
Alt 09.02.2006, 21:47
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vomfeinsten is on a distinguished road
Standard AW: DDR-Historie: Geschichten

Stimmt schon das es jüngere Geschichte ist, geht auch nicht darum das ich über das Thema nicht bescheid weiß (Natürlich weiß ich weiß Gott nicht alles), aber ich dachte irgendwie, das es beim Thema Fußball vielleicht nicht so enorm schwer war, dort hinfahren zu können. Sozusagen das man vielleicht mehrere Schlupflöcher hatte um sich dies zu ermöglichen. Aber wie ich nun weiß, ist das nicht so.

Danke das du dir die Zeit genommen hast.
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  #28 (permalink)  
Alt 09.02.2006, 22:12
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VfB-Siggi is on a distinguished road
Standard AW: DDR-Historie: Geschichten

Naja, dieses Arbeiter- und Bauernparadies hat ja nicht ohne Grund seine Bürger eingesperrt. Es gab ja damals noch nicht mal für jeden die Möglichkeit, Westfernsehen (ARD, ZDF oder Rundfunkprogramme) zu empfangen. War übrigens noch ´ne Zeit, wo sogar ein gewisser Herr Gottschalk echt gut drauf und mehr als erträglich war. Das man damals wie wild mit seinem schweineteuren Kassettenrekorder vor´m Westradio hing, muß man sicher nicht explizit erwähnen.
Der Großraum Dresden war so ein Fall, wo man nur Zonensender empfangen konnte. Die wurden dann auch im Volksmund spöttisch das "Tal der Ahnungslosen" oder "Tal der toten Augen" etc. genannt wurden. In Jena war man ja relativ nah an der bayrischen Grenze und hatte somit halbwegs gescheiten Empfang.

Wenn man sich damals zunächst die Ostnachrichten (Aktuelle Kamera) und anschließend die Tagesschau ansah, kann man gar nicht beschreiben, wie es machbar ist, medial über ein und das selbe Weltgeschehen 180° verschieden zu berichten. So, wie´s halt in die eigene Ideologie paßt. Jetzt aber auch genug mit dem Geschichtsunterricht.

Und wenn es damals gesundheitlich unbedenkliche Schlupflöcher gegeben hätte, wäre ich auch sicher nicht erst 1990 rüber gegangen. Hatte zwar bereits einen Ausreiseantrag laufen, fiel dann aber eh in die Wendezeit, von daher nicht mehr relevant, außer vielleicht, dass ich deswegen meinen Job verlor, was es ja offiziell nicht gab. Das Land war einfach von Stacheldraht, Minen und Grenzsoldaten umgeben. Da gab es so gut wie kein Rauskommen, auch, oder schon gar nicht bei Fußballspielen. Geht jetzt aber völlig am Thema vorbei. Muß mir erst mal ´ne Pizza in den Ofen schieben. Wenn mir danach noch nicht die Augen zufallen, vielleicht noch ein bissle was Allgemeines zum Ostfußball...
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  #29 (permalink)  
Alt 10.02.2006, 00:31
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VfB-Siggi is on a distinguished road
Standard AW: DDR-Historie: Geschichten

Okay, einer geht noch...

Und wenn mir mein alter Spezi, der Magdeburger Hammerhai, so ´ne Steilvorlage gibt, neh´m ich die natürlich gerne auf.

Es war in der Tat irre, was sich phasenweise für temporäre Allianzen ergaben. Das Ganze wurde natürlich begünstigt durch die Tatsache, dass nun wirklich jeder mit dem Zug zum Fußball unterwegs war. Damals gab´s halt noch keine organisierten Busreisen und ich kenne auch praktisch keinen, der a) überhaupt in dem Alter ein Auto hatte und b) dann damit zum Spiel gefahren wäre. Ich selbst saß im Zusammenhang mit einem Kick nur ein einziges mal im Auto, das war ein Taxi von Leipzig nach Jena. Ist aber eine andere Geschichte, vielleicht nächstes mal.

Eben durch die Zugfahrerei war der Leipziger HBF DER Treffpunkt schlechthin. Wer mal dort war, der sah damals zwar nicht wie´n chices Einkaufszentrum aus, so wie heute, aber bei der Größe kann sich wohl auch ein Unbeteiligter vorstellen, was da abging.

Zum einen hatte man dort ja ohnehin schon mal mit Lok und Chemie zwei ortsansässige Vereine allererster Kajüte, die jeden Samstag unterwegs waren. Und wenn es der Spielplan so wollte, z.B. Böhlen-Lok, Riesa-Halle, Dresden-Jena, Chemie-Magdeburg etc., trafen da sechs bis acht verschieden Mobs aufeinander, Hammer! War eigentlich schon Usus, sich spätestens am Leipziger HBF zu informieren, wann denn welche Züge wohin fahren. Da hat man kurzerhand auch mal das eigene Programm geändert, nur um die einen oder anderen Kameraden begrüßen zu können. Manchmal aber auch händeringend Alternativrouten gesucht, um eben nicht da hinein zu geraten.

Da gab es so viele Geschichten, dass man kaum weiß, wo man anfangen soll. Eines ist mir besonders in Erinnerung geblieben, als wir mit gut 1.000 Leuten in Dresden waren und dort mal wieder ordentlich die Welle machten, kamen wir siegessicher in Leipzig an, wo am Kopfende unseres Bahnsteigs so um die 150 Magdeburger standen. Man lief relativ planlos und unaufgeregt auf die zu, als sich so ein 120 Kg-Tier von denen mit "Attacke"-Gebrüll nach vorne fallen ließ und dabei gleich drei der dazwischen stehenden acht oder zehn Bullen umriß. Dies war dann das Startsignal für die restlichen Magdeburger, auf uns drauf zu gehen.

Unsereins rannte in Panik quer über die Gleise und durch die halbe Innenstadt, ohne wirklich ernsthaft verfolgt zu werden. Irgendwann begegnete man sich wieder vereinzelt verstohlen am Bahnhofsvorplatz und erhoffte sich von den jeweils anderen die Nachricht, dass die Magdeburger nun endlich abgereist sein. Dann liefen wir mit sechs Mann durch ´nen Tunnel, wo uns prompt um die zehn Blau-Weiße entgegen kamen. Die liefen sofort auf uns drauf, wir blieben trotzdem stehen, als plötzlich deren Ältester ganz cool meinte, laßt die in Ruhe, das sind doch Jenenser.

Ungläubiges Staunen unsererseits, auch die restlichen Magdeburger fühlten sich etwas verarscht von ihrem Anführer, gehorchten diesem aber. Kurzerhand einigte man sich darauf, gemeinsam nach versprengten Lokis zu suchen. Mit der Zeit sammelte man immer mehr Kollegen auf, so dass letztlich ein stattlicher gemischter Mob zusammen kam, der 30 Minuten vorher noch aufeinander losgegangen war.

Wie man später erfuhr, hatten die gerade mal 150 Magdeburger (weiß aber nicht mehr, woher die kamen) kurz vor unserer Ankunft aus Dresden bereits den Anhang des 1.FC Lok zum Tänzchen gebeten, die aus Böhlen kam. Das war ein Kaff, welches man praktisch als Leipziger Vorort bezeichnen konnte. Dementsprechnd viele Lok-Fans waren da auch am Start, und das waren ja nun auch alles andere als Weichkekse. Man konnte kaum glauben, dass so wenige Leute gerade die Leipziger weggehauen hatten.

Und da wir nun mal die nächsten auf dem Reiseplan waren, sammelten die sich halt an unserem Ankunftsgleis. Weshalb wir damals, zumindest in dieser Gruppe, trotzdem noch relativ ungeschoren davonkamen, weiß ich bis heute nicht so richtig. An dem Tag hatten einige von denen wohl nur Bock, sich mit Lok zu klatschen, warum auch immer.

Später gab es nochmals ein geiles spontanes Bündnis zwischen ca. 50 Jenensern und einem kompletten Magdeburger Zug in Weißenfels gegen Hallenser und Lokisten. Das verzähl´ ich aber ein anderes mal, wenn´s denn interessiert. Der alte Mann muß jetzt ins Bett...

Geändert von VfB-Siggi (10.02.2006 um 00:39 Uhr)
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  #30 (permalink)  
Alt 10.02.2006, 12:44
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Naja und was die Reisefreiheit betrifft - da Magdeburg desöfteren die Ehre hatte gegen Westvereine anzutreten - die war für uns gleich null. Es gab definitiv keine Chance auf Schalke zu fahren oder die Gladbacher Borussen zu Besuchen.

Was Geschichten mit Westvereinen betrifft - ich sage nur die Freundschaft zwischen Braunschweig und Magdeburg sah früher etwas anders aus , naja lang is her.

BWG
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