AW: Neues Buch: Stadionpartisanen – Fans und Hooligans in der DDR
Finde ich eine treffende Einschätzung von Moncada, sehe das ähnlich.
Schön, dass wirklich Beteiligte was dazu sagen und nicht nur Analysen von außen stattfinden. Wer sich für Hintergründe von Krawallen und Motivation der Beteiligten im real existierenden Sozialismus interessiert, für den dürfte das Buch einiges bieten. Wer aber die mega Berichte von heroischen Schlachten mit literweise Blut und Bergen gebrochener Knochen erwartet, der sollte auf einen Kauf lieber verzichten.
Mein Fazit: Wie Moncada finde auch ich es schade, dass es sich im Buch nahezu ausschließlich um Berlin dreht. Klar hatten die beiden Vereine eine besondere Beziehung zueinander, die hatten andere Vereine aber auch, und mir hätte es gefallen, wenn dort auch Jungs anderer Clubs zu Wort gekommen wären. Für Leute, die das miterlebt haben, sicher ein interessanter (Rück)Blick in den Spiegel, wobei man das Spektrum wie gesagt erheblich hätte erweitern können, denn geile Stories gibt es von der Küste bis zum Thüringer Wald zu berichten. Allein die Action am Leipziger Hauptbahnhof in all den Jahren bietet genug Stoff für ein ganzes Buch. Vor diesem Hintergrund ist der Titel vielleicht nicht optimal gewählt.
Interessant in jedem Fall das Auftreten/die Arbeit der Sicherheitsorgane, insbesondere die Infiltrierung durch die Stasi.
Ansonsten fühlte ich mich beim lesen etwa wie ein Kölner, Düsseldorfer oder Essener, der sich ein Buch über die Fußball-80er in NRW kauft und sich dort alles "nur" um Schalke/Dortmund dreht. Sollte man durchaus mal gelesen haben, ist aber nichts, was man unbedingt haben muss.
__________________
I died as I lived as I loved and was born...
|