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Alt 09.02.2006, 23:31
VfB-Siggi VfB-Siggi ist offline
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Standard AW: DDR-Historie: Geschichten

Okay, einer geht noch...

Und wenn mir mein alter Spezi, der Magdeburger Hammerhai, so ´ne Steilvorlage gibt, neh´m ich die natürlich gerne auf.

Es war in der Tat irre, was sich phasenweise für temporäre Allianzen ergaben. Das Ganze wurde natürlich begünstigt durch die Tatsache, dass nun wirklich jeder mit dem Zug zum Fußball unterwegs war. Damals gab´s halt noch keine organisierten Busreisen und ich kenne auch praktisch keinen, der a) überhaupt in dem Alter ein Auto hatte und b) dann damit zum Spiel gefahren wäre. Ich selbst saß im Zusammenhang mit einem Kick nur ein einziges mal im Auto, das war ein Taxi von Leipzig nach Jena. Ist aber eine andere Geschichte, vielleicht nächstes mal.

Eben durch die Zugfahrerei war der Leipziger HBF DER Treffpunkt schlechthin. Wer mal dort war, der sah damals zwar nicht wie´n chices Einkaufszentrum aus, so wie heute, aber bei der Größe kann sich wohl auch ein Unbeteiligter vorstellen, was da abging.

Zum einen hatte man dort ja ohnehin schon mal mit Lok und Chemie zwei ortsansässige Vereine allererster Kajüte, die jeden Samstag unterwegs waren. Und wenn es der Spielplan so wollte, z.B. Böhlen-Lok, Riesa-Halle, Dresden-Jena, Chemie-Magdeburg etc., trafen da sechs bis acht verschieden Mobs aufeinander, Hammer! War eigentlich schon Usus, sich spätestens am Leipziger HBF zu informieren, wann denn welche Züge wohin fahren. Da hat man kurzerhand auch mal das eigene Programm geändert, nur um die einen oder anderen Kameraden begrüßen zu können. Manchmal aber auch händeringend Alternativrouten gesucht, um eben nicht da hinein zu geraten.

Da gab es so viele Geschichten, dass man kaum weiß, wo man anfangen soll. Eines ist mir besonders in Erinnerung geblieben, als wir mit gut 1.000 Leuten in Dresden waren und dort mal wieder ordentlich die Welle machten, kamen wir siegessicher in Leipzig an, wo am Kopfende unseres Bahnsteigs so um die 150 Magdeburger standen. Man lief relativ planlos und unaufgeregt auf die zu, als sich so ein 120 Kg-Tier von denen mit "Attacke"-Gebrüll nach vorne fallen ließ und dabei gleich drei der dazwischen stehenden acht oder zehn Bullen umriß. Dies war dann das Startsignal für die restlichen Magdeburger, auf uns drauf zu gehen.

Unsereins rannte in Panik quer über die Gleise und durch die halbe Innenstadt, ohne wirklich ernsthaft verfolgt zu werden. Irgendwann begegnete man sich wieder vereinzelt verstohlen am Bahnhofsvorplatz und erhoffte sich von den jeweils anderen die Nachricht, dass die Magdeburger nun endlich abgereist sein. Dann liefen wir mit sechs Mann durch ´nen Tunnel, wo uns prompt um die zehn Blau-Weiße entgegen kamen. Die liefen sofort auf uns drauf, wir blieben trotzdem stehen, als plötzlich deren Ältester ganz cool meinte, laßt die in Ruhe, das sind doch Jenenser.

Ungläubiges Staunen unsererseits, auch die restlichen Magdeburger fühlten sich etwas verarscht von ihrem Anführer, gehorchten diesem aber. Kurzerhand einigte man sich darauf, gemeinsam nach versprengten Lokis zu suchen. Mit der Zeit sammelte man immer mehr Kollegen auf, so dass letztlich ein stattlicher gemischter Mob zusammen kam, der 30 Minuten vorher noch aufeinander losgegangen war.

Wie man später erfuhr, hatten die gerade mal 150 Magdeburger (weiß aber nicht mehr, woher die kamen) kurz vor unserer Ankunft aus Dresden bereits den Anhang des 1.FC Lok zum Tänzchen gebeten, die aus Böhlen kam. Das war ein Kaff, welches man praktisch als Leipziger Vorort bezeichnen konnte. Dementsprechnd viele Lok-Fans waren da auch am Start, und das waren ja nun auch alles andere als Weichkekse. Man konnte kaum glauben, dass so wenige Leute gerade die Leipziger weggehauen hatten.

Und da wir nun mal die nächsten auf dem Reiseplan waren, sammelten die sich halt an unserem Ankunftsgleis. Weshalb wir damals, zumindest in dieser Gruppe, trotzdem noch relativ ungeschoren davonkamen, weiß ich bis heute nicht so richtig. An dem Tag hatten einige von denen wohl nur Bock, sich mit Lok zu klatschen, warum auch immer.

Später gab es nochmals ein geiles spontanes Bündnis zwischen ca. 50 Jenensern und einem kompletten Magdeburger Zug in Weißenfels gegen Hallenser und Lokisten. Das verzähl´ ich aber ein anderes mal, wenn´s denn interessiert. Der alte Mann muß jetzt ins Bett...

Geändert von VfB-Siggi (09.02.2006 um 23:39 Uhr)
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